» DAS WORT

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Zu bilden, zu malen ist leichter,
denn es drängt sich uns auf, das Irdische,
rührt uns an Hände und Herz,
und voll sind die Augen wie Spiegel
von Bildern,
die dauern wollen in uns.

Aber das Wort,
das Wort, das am Anfang war,
ist das Schwerste, und es wird
zuletzt noch sein, wenn alles
Sichtbare stumm wird.

Es geht durch das Irdische hin,
einen Mund zu suchen.
Aber wir sind viel zu laut,
und müßten doch knien,
mit hingehalt’nem Gesicht,
daß einmal das Wort wie Mondstrahl
oder sternenleise
uns die erzitternden Lippen küßt,
sie lösend zum Singen,
sie segnend zum Sagen . . . «

OTTO GILLEN
( in: ‚Alles kreist um eine Mitte‘ )

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» TRAUM I

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Mir träumte, ich sollte noch einmal
Sein in der Sonne am See.
Und sicher wäre mir Liebe.
Sicher wie Regen und Schnee.
Noch einmal würde ich schmecken
Licht und Luft.
Und wüßte nichts vom Leben.
Doch alles von seinem Duft. «

EVA STRITTMATTER
( in: ‚Mondschnee liegt auf den Wiesen‘ )

freundschaft

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der freundschaft sinne unterpfand
sind rosen die dich ehren
und dornen die als warme hand
das wider in dir mehren

es ist das glück dass man sich kennt
das niemals muss sich strecken
und alles klar beim namen nennt
im blühen wie im wecken

.

( november 2017 )

leichtigkeit

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an den rändern der ufersäume ruhen
abseits schnelllebiger worte
beflügelte leichtigkeiten
auf halmdurchwärmten sezierwinden.

neckisch, wie das lachen sie beäugt
mit seiner kitzelnden iris
im belichtungspfeiffendem durchdringen.

ein fernes flüstern
das zeitlos sein ohr am stillungsbrunnen hängen hat
hört sich schöpfend ein –
tanzende verwebungslinien malerischer rhythmen
die kreuz und quer durchs blut fließen
und sich luftig erden:
im tiefen freiatmen des sezierenden …

Bild

was hört die stille, wenn du schweigst?

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die erinnerungen fühlen –
verinnerlichtes blauen unter der haut
schattierungen der zeitlosigkeit umwehen
lippen geschlossener münder –
in ihren winkeln stockendes atmen
das sich nach innen geöffnet verzehrt
sanft pulsendes widmungshauchen
das das sehnende sein durchzieht:
wirbelnde federn der blutseismographen
im schöpfenden quellen der benetzung
wiegen sich grüne kristalle –
lichtkegel fühlender fingerspitzen
unter ihren rezeptoren
angedockt an übertragungsträume
seziert das hörzentrum töne ―
bewegungsfrequenzen lautlosen funkens
die stillend lauschen