Wider den Normopathen

» Ein Normopath ist stets normal und angepasst, sein Verhalten überkorrekt und überkonform. Die Zwanghaftigkeit, mit der er den Erwartungen entspricht, verrät indes, dass er ein falsches, ein unechtes Leben führt. Krank ist nicht nur er, sondern vor allem die Gesellschaft, in der er lebt und deren Anpassungsdruck er sich unterwirft – bis er die Gelegenheit gekommen sieht, seine aufgestaute Wut an noch Schwächeren oder am ›System‹ abzureagieren. «

( aus: Maaz, Hans-Joachim: » Das falsche Leben – Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft « ; C.H. Beck-Verlag, 2018 )
 

» Wer den Mut zum Ungehorsam hat, der entzieht sich nicht nur vermeintlichen Autoritäten, sondern nimmt die Menschen lebendig und mitfühlend wahr. Wie sehr die Kultur des Gehorsams entmenschlichen kann und welche Wege aus dem Kreislauf der Unterordnung führen, zeigt Arno Gruen: ein befreiendes Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit.
Lange bevor wir sprechen können und sich unser Denken organisiert, müssen wir lernen, gehorsam zu sein und unsere Gefühle zu unterdrücken. In allen Lebensbereichen erzwingt unsere Zivilisation einen reflexartigen Gehorsam. Zugleich belohnt sie ein Gruppendenken, das ein selbstbestimmtes, freies Denken unmöglich macht. «

( aus: Gruen, Arno: » Wider den Gehorsam « ; Klett-Cotta-Verlag, 2014 )
 


das buch von hans-joachim maaz reiht sich neben jenen von arno gruen u. v. a. und meiner nunmehr über 28-jährigen erfahrung, die ich im zeitalter des aktiv wirkenden neoliberalismus gemacht habe, zu jenem befund zusammen, den ich dieser form des kapitalismus seit längerem attestiere: entmenschlichung, auszehrung von werten und kulturen, die menschen prägen, auszehrung des sozialen bewusstseins — um den ‚preis‘ einer pseudo-individualisierung. die letztlich aber nur ein kernziel hat: sich im eigentums- und besitzstreben möglichst gut unterscheiden zu können und das gefühl vermittelt zu bekommen, dass die neoliberal geprägte bildung etwas (ein)gebracht hat: nämlich größtmöglichen profit.

von daher mag ich lieber noch stärker, noch intensiver, träumender, individualistisch lebender sozialist bleiben, denn kapitalistische marionette dieses neoliberalen gesellschaftssystems.

für mich bleibt es ein großer irrglaube, dass gemeinschaft(ssinn) und mitmenschlichkeit möglich sind, ohne sich zurückzunehmen, ohne verzicht als lebendiges mittel im selbstverständnis jenes seins zu verankern, das (sich) entwickeln will und möchte …

… denn ich bin davon überzeugt, dass man sich individuell vielfältig entwicklen kann, auch ohne sich der zur puren ideologie verkommenen maxime des strebens nach geld und besitz im besonderen bzw. materialismus im allgemeinen, zu unterwerfen. für mich zeitigt das üben in verzicht die nachhaltigste form des lebens (überhaupt) und ist zugleich wesentliche ausdrucksform meiner mitmenschlichkeit und empathie, die meines erachtens sehr viel sozialer ist und der sehr viel mehr gemeinschaftssinn innewohnt, als ihren neoliberal geprägten fomen, da sie auf das (mensch-)sein aller menschen abzielt; nicht nur auf jenes derer, die mit ihren formen von empathie überwiegend eher eine art von ablasshandel betreiben, um den status ihres seins weiter legitimieren zu können …

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