» DAS WORT

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Zu bilden, zu malen ist leichter,
denn es drängt sich uns auf, das Irdische,
rührt uns an Hände und Herz,
und voll sind die Augen wie Spiegel
von Bildern,
die dauern wollen in uns.

Aber das Wort,
das Wort, das am Anfang war,
ist das Schwerste, und es wird
zuletzt noch sein, wenn alles
Sichtbare stumm wird.

Es geht durch das Irdische hin,
einen Mund zu suchen.
Aber wir sind viel zu laut,
und müßten doch knien,
mit hingehalt’nem Gesicht,
daß einmal das Wort wie Mondstrahl
oder sternenleise
uns die erzitternden Lippen küßt,
sie lösend zum Singen,
sie segnend zum Sagen . . . «

OTTO GILLEN
( in: ‚Alles kreist um eine Mitte‘ )

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» TRAUM I

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Mir träumte, ich sollte noch einmal
Sein in der Sonne am See.
Und sicher wäre mir Liebe.
Sicher wie Regen und Schnee.
Noch einmal würde ich schmecken
Licht und Luft.
Und wüßte nichts vom Leben.
Doch alles von seinem Duft. «

EVA STRITTMATTER
( in: ‚Mondschnee liegt auf den Wiesen‘ )